Stromergarten on Tour – Sommer planfrei Teil 3

Stromergarten on Tour – Sommer planfrei Teil 3

Hier findet Ihr Teil 1 und Teil 2 unserer planfreien kleinen Sommerreise.

Auf der Suche nach dem Stromergarten unter den Campingplätzen

Mit mehreren Runden Memory beendeten wir den ersten Abend am Petschsee. Da unser Zelt dezent abschüssig stand, erlebten auch wir den schönen Spaß der Wirkung von Schlafsäcken auf Isomatten. Es war schon eine famose Rutschpartie. Auch hier war ich wieder eine der ersten Kaffeetrinker in unserer Sichtweite. Früher habe ich mich geärgert, wenn ich so früh aufwachte und nicht weiterschlafen konnte. Heute nehme ich das als geschenkte Zeit an und genieße die Ruhe und die zeitlose Zeit des frühen Morgens. Den Campingstuhl aufgeklappt, frisch gebrühten Kaffee im Becher und ein Buch in der Hand – magisch. 

Daumen hoch für das Rheinsberg barrierefrei

Nach dem Frühstück machten wir uns auf nach Rheinsberg. Wir hatten Lust auf eine kleine Städtetour. Wir sind noch immer begeistert von dieser kleinen Stadt. Ein verrücktes Eiscafé, dass jeden Tag eine andere Sorte Eis im Angebot hat und auch veganes Eis anbietet. Ein formidables Schloss am See und ein veganes Restaurant hat diese schöne Stadt zu bieten, die sich zudem auf die Fahnen geschrieben hat, für Menschen mit Beeinträchtigungen die besten Bedingen zu bieten. Die öffentlichen Plätze, Straßen und Gehwege sind nahezu barrierefrei, es gibt besondere Führungen in den Museen usw. Von uns gibt es beide Daumen hoch.  Spontan entschieden wir, dass die schönen Kutschen vor dem Schlosspark nur auf uns warteten und zack saßen wir in einer und haben uns durch die Stadt fahren lassen. Beendet haben wir unseren Ausflug gebührend mit einem zweiten Besuch im Eiscafé.

Tschüss – wir wollen weiter

Nach zwei Nächten auf dem Naturcampingplatz am Biberferienhof packte mich das Stromerfieber. Es wurde uns auch nicht so schwer gemacht, waren die Wasserleitungen zu den Duschen doch mit den vielen Menschen überfordert und mit nur einem Sanitärhaus zu dem der Weg auch echt weit war. Na und, werden jetzt einige denken. Ja klar, tagsüber in planfreier Ferienzeit nicht wirklich ein Thema – a b e r: nachts. Nun hatte ich abends beim Memoryspielen und beim Open-Air-Kino am See (das war übrigens sehr schön) auch ein, zwei Gläschen Weißwein getrunken. Leute mit jenseits der Vierzig muss man da schon mal nachts raus. Da ist ein Weg im Dunkeln von ca. 300 m nicht als schöne Spazierstrecke zu empfinden.

Wer einfach sucht wird fündig

So fuhren wir wieder los. Ich wollte mal nach dem Landleben mit alten Gutshäusern und entsprechenden Gartenanlagen Ausschau halten. Dieser Wunsch bestimmte die Strecke uns so zog es uns an die westliche Seite der Müritz. Im Gutshaus-Solzow erhoffen wir einen Mittagsimbiss. Damit konnte ich das Stromermädchen locken, dort einen Stopp zu machen, denn ihr stand der Sinn verständlicherweise nach Badesee. Doch das idyllisch gelegene und liebevoll sanierte Gutshaus enttäuschte uns leider mit der spärlichen Auswahl. Außer drei Kuchen, Kaffee, Wasser und Saft, war leider nichts im Angebot. Schade, denn der Garten war vielversprechend und gern hätte ich ihn beim Warten auf einen Salat oder eine Suppe erkundet. Schnell in die nächste Stadt und was futtern. Wir landeten in Röbel. Ein sehr hübsches Städtchen mit ganz zauberhaft sanierten Häusern. Juhu, hier konnten wir futtern und nach einem Domizil suchen. Ich zückte mein Handy und beschloss, meine Suchanfrage bezüglich eines Campingplatzes zu verändern. Statt „Naturcamping“ versuchte ich es mal mit ganz einfachen Worten: „klein“ und „familiär“. Und Treffer! Ganz in der Nähe in Zielow war das vielversprechender “Zielowcamp“. Nach einem Telefonat war klar, dort könnten wir die nächsten Tage verbringen. Na dann nichts wie hin, denn Zielow liegt auch noch direkt an der Müritz.

Ein Volltreffer

Ich konnte unser Glück kaum fassen. Ein privater Hof, dessen Garten der Besitzer zu einem Campingplatz umgenutzt hat. Hier ging es klein und familiär zu. „Ihr hattet angerufen? Alles klar. Fahrt dort oben rein und sucht Euch eine Stelle, die Euch gefällt. Wollt Ihr morgen Früh Brötchen?“ Damit war klar: Hier sind wir richtig! Überall natürliche Büsche, Gehölzer und Obstbäume. Drei alte Bauwagen, die Dauercampern gehörten, Wohnwagen und Zelte bunt gemischt, in einem alten Trafohaus eine kleine Spülküche, in einer Scheune gab es Kühlschränke und jeweils eine Dusche und zwei WCs für Männlein und Weiblein (Das reicht tatsächlich aus für dieses kleine Idyll.) Im Nebengelass ein Veranstaltungsraum und eine Küche zum kochen (Yeah!) Und ca. 500 m bis zum Campingplatz eigenen Müritzstrand. Und wer mag, kann sich beim Hofherren auch noch Segelboote ausleihen. In der Spülküche gab es ausreichend Steckdosen, so dass ich problemlos Handy und Laptop mit Strom versorgen konnte, um etwas zu arbeiten und gelegentlich Infos für unsere Ausflüge einzuholen. Und was soll ich Euch schreiben, hier sind wir den Rest unserer Urlaubszeit geblieben.

Gärtnerinnenglück im Wangeliner Garten

Mein Gärtnerinnenherz schlug höher, als mir durch einen Flyer aufging, dass der Wangeliner Garten ganz in der Nähe sein musste. Was dann kam ist nicht weiter überraschend – die Mädels machten sich natürlich schnurstracks auf den Weg. Es war einfach nur herrlich. So eine tolle Anlage. Hier finden auch die Wangeliner Workcamps statt, die es jungen Menschen ermöglichen, in grüne und nachhaltige Berufe rund ums Bauen und Gärtnern zu schnuppern und so für nachhaltige Lebenswege begeistert. Dort wird man von Lehm- und Strohbauten sowie einem Wagenplatz begrüßt.  Durch das benachbarte Café, in dem mir gleich meine ersten Fragen sehr nett beantwortet wurden, geht es zum Garten. Mein Herz sprang vor Freude. Es ist der größte Kräutergarten Mecklenburg-Vorpommerns, bestehend aus neun Abteilungen. Sofort war klar, hier werden die natürlichen Veränderungen eines Gartens gelebt und in Harmonie mit dem Jahresverlauf wird dort Gestaltung vorgenommen. Ich habe große Lust im nächsten Frühjahr dort wieder einen Besuch abzustatten. Nach diesem herrlich Gang durch den Garten marschierte ich dem Stromermädchen in das Weidenlabyrinth hinterher, geradewegs hinein in den Maulfwurfshügel – eine wunderbare Anlage nicht nur für kleine verspielte Menschen. Absoluter Besuchs-Tipp!

Wie die Orte – so die Menschen 

Auf unserem neuen herrlichen kleinen Campingplatz lernten wir auch tolle Menschen kennen. Mit manchen wechselten wir nur ein Lächeln und einen Gruß, mit anderen kamen wir ins Gespräch. Solche unkonventionellen Orte ziehen einfach offene Menschen, die was zu erzählen haben, an. So geht es mir mit unserem Stromergarten auch. Ich bin immer wieder dankbar, was für großartige Menschen zu uns kommen, uns an ihren Geschichten teilhaben lassen, sich austauschen wollen, offen und tolerant sind.

Eine richtige Type haben wir am Bootsverleih Gaarzer Mühle kennengelernt. Inhaber Udo Enders hat eine herrliche Schnodderschnauze, entspanntem Umgang mit seinen Kunden und jede Menge Paddel- und Motorboote. Schon allein wegen des Verleihers lohnt sich dort ein Besuch, von der schönen Schipperei über die kleine Müritz und durch ihre Arme ganz zu schweigen. 

Wir landeten ein zweites und ein drittes Mal dort, weil große Stromerjunge auch noch für einig Tage zu uns Mädels kam. So konnten wir dann sogar zu Dritt paddeln. Doch das Highlight der Dreierkonstellation war eindeutig unsere Fahrt mit dem Motorboot. Da bis 15 PS ab 16 Jahre gefahren werden darf, saß ich nur wirklich sehr kurz mal am Steuer. Das war eine wirklich große Nummer, konnte ich dem Stromerjungen doch damit deutlich zeigen, dass ich absolutes Vertrauen in ihn habe und er dankbar die Verantwortung übernahm und wir alle zudem riesigen Spaß hatte.

Wir haben gewonnen

Entspannt vertrieben wir uns die Tage am, im und auf dem Wasser und genossen das herrliche Zielowcamp. Wir stromerten durch Städte, Dörfer, auf dem Gelände einer verlassenen Jugendherberge, auf dem Wasser und in Gedanken. Wir haben diese herrliche Landschaft der Mecklenburger Seenplatte aus vollen Zügen genossen: lagen in der Sonne, haben gebadet, gepaddelt, gelesen, sind Motorboot gefahren, waren lecker essen, haben gequatscht, gespielt und eine zarte Verliebtheit hat das Stromermädchen auch erwischt. 

Klar haben wir viel mit dem zuhause gebliebenen allerliebsten Ehemann und Papa telefoniert. Doch für uns alle war es kein Verlust, dass wir keinen gemeinsamen Sommerurlaub machten. Im Gegenteil, es war eine neue schöne Erfahrung. In einer Familie sind die Aufgaben und Rollen eingeschliffenerweise oftmals doch recht unflexibel verteilt. So etwas bringt frischen Wind rein. Für Eltern-Kind-Beziehungen ist das sowieso mehr als zu empfehlen. Es ist einfach mal konzentrierter und so müssen sich die Beteiligten dann mit den Macken und Vorzüge direkt auseinandersetzen. 

Nach diesem schönen Roadtrip sind dann weltbester Ehemann und Stromermädchen gemeinsam an die Ostsee. Und zu guter Letzt gab es noch eine große Fahrradtour von Vater und Sohn auf dem Mainradweg. Wir haben nichts vermisst, wir haben hinzugewonnen – Zeit für direktes und intensives Miteinander.



2 thoughts on “Stromergarten on Tour – Sommer planfrei Teil 3”

  • Das ist so ein toller Bericht,der mich sehr an mein eigenes Leben erinnert. Bei mir musste erst eine Krankheit mein Leben beherrschen. Dadurch bin ich auf einen wundetvollen Weg gekommen . Jeden neuen Tag bin ich sehr dankbar . Im neuen Jahr werde ich den Stromergarten besuchen. Liebe Gr. Carola Kanzler

    • Liebe Carola Kanzler,
      vielen Dank für das schönes Feedback. Vielleicht war diese Krankheit das Vehicle, um Dich auf Deinen Weg zu bringen und ich wünsche Dir von Herzen, dass dieser Weg Dich genesen lässt.

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