Bundesweiter Vorlesetag: Warum ich Lesen blöd fand und dennoch Kinderbücher liebe

Bundesweiter Vorlesetag: Warum ich Lesen blöd fand und dennoch Kinderbücher liebe

Zum heutigen Bundesweiten Vorlesetag möchte ich Folgendes bekanntgeben: Ich liebe (illustrierte) Kinderbücher! So fertig, mehr ist nicht zu sagen.

Lesen war blöd

Na gut vielleicht doch noch ein paar Sätze zu meiner Lesekarriere. Ich habe Lesen nach der Fibel erlernt und fand Lesen blöd. Ich erinnere mich noch genau, dass ich es unglaublich langweilig fand, diese zunächst kleinen und dann immer größer werdenden Wortgruppen auswendig aufzubieten.  Später hat mich das Lesenmüssen, besonders von Texten, die mich nicht die Bohne interessierten, geschweige denn hinter dem Ofen vorlockten, völlig demotiviert. Lesen war irgendwie negativ besetzt, eine Belastung, unschön. Ich habe also zunächst kaum in Kinderbüchern gelesen. Viel lieber habe ich mir die Illustrationen in den Büchern angeschaut. In meiner Familie spielten Bücher und Lesen keine große Rolle, also war es auch nicht üblich, dass mir regelmäßig vorgelesen wurde. Ich studierte detailverliebt die Illustrationen.

Dann kam Karl May

Einen ersten Leseflash erlebte ich mit den Büchern von Karl May. Da habe ich mir dann auch die berühmte Taschenlampe unter die Bettdecke geholt. Danach war aber irgendwie kein Lesestoff für mich da, der mich bei der Stange halten konnte. Ich schrieb eine erste Kurzgeschichte, von der meine Mutter damals annahm, ich hätte sie nicht selbst geschrieben. Diese Erfahrung war leider auch nicht gerade motivierend, sich weiterhin mit Texten zu beschäftigen. Und beides gehört für mich ganz natürlich zusammen. Immer wenn ich selbst viel schreibe, lese ich auch mehr – oder umgekehrt? (Henne oder Ei – Ihr wisst schon.) Hin und wieder haben mich in meiner Kindheit und Jugend mal einzelne Bücher erreicht, aber von einer passionierten Leserin war ich weit entfernt.

Dann wurde trainiert

Mit meinem selbständigen Leben hat sich das allmählich geändert. Aber es war ein sehr langsamer Prozess. Lesen war immer mit einer Überwindung verbunden. Dieses unschöne Gefühl aus der Zeit des Erlernens war tief verankert und lange vorherrschend. Doch ich wollte mir das Lesen erobern und habe es regelrecht trainiert. Inzwischen habe ich immer ein Buch in der Tasche oder auf dem Handy und nutze jede Wartegelegenheit um zu lesen. Diese Erfahrung macht es mir ganz leicht, bei dem Stromermädchen ganz gelassen zu sein. Buchstaben interessieren sie schon seit etlichen Jahren. Vor ihrer Einschulung beherrschte sie auch alle Buchstaben – erkannte sie, konnte sie benennen und lautieren. Doch dann verlernte sie viele wieder, weil sie nach dem Prinzip Fibel gar nicht alle Buchstaben benutzen konnte. Sie wurde so verunsichert und traute sich kaum mehr Buchstaben zu benennen. Und auch sie sollte Texte lesen, die sie einfach sinnlos und blöd fand. Dejavu! Inzwischen besucht sie eine Schule, in der sie sich in ihrem Tempo das Lesen und Schreiben praktizieren kann.

Und jetzt wird vorgelesen

Vorlesen ist bei uns an der Tagesordnung und war auch schon mit dem inzwischen riesigen Stromerjungen immer eine reine Lust für mich. Was für großartige Kinderbuchklassiker ich so nun endlich gelesen habe und welche herrlichen Bücher ich noch entdecken konnte. Ich liebe es, mich sprachlich in die Charaktere zu versetzen. Es ist so wunderbar, gemeinsam diese Geschichten zu lesen, mit den Kindern darüber zu sprechen und diese Kuschelzeit zu genießen.

Und geguckt

Meine Leidenschaft zu den illustrierten Kinderbüchern ist nach wie vor groß. Wenn ich eine Buchhandlung betrete, könnt ihr mich immer in der Kinderbuchabteilung finden. Oft schaue ich gar nicht noch woanders hin. Mein Lieblingsillustrator ist Peter Schössow. Von ihm ist auch mein absolutes Lieblingsbuch “Gehört das so?”

Nachfolgend meine Tipps für kuschelige Zeiten mit Euren Lieblingsmenschen – und sie sind sehr illustrationslastig.

Und da ist schon mein Lieblingsbuch. Ein herrlich frohes Buch über Verlust, Wut, Ärger, Frust, Erinnerungen und Fantasie. Die herrlich schrägen Figuren von Schössow sind der Knaller.

Ich liebe Astrid Lindgren und damit liebe ich Pippi Langstrumpf – das herrlichste Mädchen der Literaturwelt. Doch den bonbonverrückten Aufschneider Karlsson habe ih auch in mein Herz geschlossen. Als Kind habe ich selbst nur die Fernsehserie gesehen. Doch die Erinnerung an die herrliche Geschichte lies mich ganz schnell dieses Buch meinem Sohn kaufen und vorlesen. Wir haben es beide geliebt.

Dies ist ein Buch über den Hamster Freddy, der das Lesen und Schreiben lernte und so gemeinsam mit einem vertrottelten Kater und zwei schrägen Meerschweinchen brüllend komische Abenteuer erlebt. Diese Story macht ganz klar,  warum Lesen und Schreiben einen echt weiterbringen.

Eine kleine Geschichte über Zuneigung, Akzeptanz und Toleranz – zauberhaft und berührend.

Die Bücher von Nadja Budde sind mit ihren verqueren Figuren und Reimen immer wieder ein Spaß. Mein Favorit unter ihnen ist “Und außerdem sind Borsten schön!” Ein vielversprechender Name, wie ich seinerzeit fand. Diese Annahme hat sich bestätigt. Ein großartiges Buch, dass zu brüllen komisch vor Augen führt, dass Äußerlichkeiten belanglos sind, Problemzönchen immer eine Frage der aktuellen Wahrnehmung oder des Zeitgeistes  sind und die herrliche Vielfalt und Unvollkommenheit das Leben erst bunt und die anderen  interessant macht.

Das kleine Buch vom großen Leben erzählt in fünf Geschichten vom Leben und illustriert wird das Ganze mit Dingen aus dem Leben. Herrliche Bilder aus Drähten, Schrauben, Zahnrädchen, Stoffen, Stricken uvm. Zauberhafte Geschichten und Bilder, an denen man sich gar nicht satt gucken kann.

Ein  erst auf den zweiten Blick  außergewöhnliches Buch ist “Steinsuppe”. Die Kraft der Gemeinschaft wird hier beschrieben, mit einer umwerfenden Illustration der Protagonisten. Die Mimik der Tiere ist der Knaller.

Eines meiner absoluten Lieblings-Vorlesebüchern ist die zauberhaften und brüllend komischen Geschichte von Freundschaft. Hier können sich Vorleser so richtig ausleben. Ich liebe dieses Buch. Mindestens einmal im Jahr muss das laut gelesen werden.

Und schon bei Nummer 9. Ich merke, dass es mir unheimlich schwer fällt, hier nur 10 Buchempfehlungen zu machen. Gut, da kommt nochmal eine Liste für die Advents- und Weihnachtszeit. Weiter geht es mit einer der skurrilsten Kinderbuchreihe, die mir je untergekommen ist. Und ich liebe sie! Schräg, spannend und voll schrägem Humor. “Eddies Eltern leiden an einer seltsamen Krankheit. Ganz gelb sind sie, dazu wellig an den Rändern, außerdem stinken sie nach alten Wärmflaschen. Dr Keks’ Behandlung sieht Bettdecken aus braunen Papiertüten vor sowie das Lutschen von Zwiebeln und Eiswürfeln in Form berühmter Generäle. Damit Eddie sich nicht ansteckt, wird er zu Verwandten geschickt. Pech für Eddie, dass es sich dabei um seinen Wahnsinnigen Onkel Jack und seine Wahnsinnige Tante Maud handelt. Und dass ihr Haus »Schlimmes Ende« heißt …”
Die ersten drei Bücher dieser Reihe gibt es auch als Hörbuch, gelesen von dem phänomenalen und hoch verehrten Harry Rowohlt. Absolute Empfehlung – besser kann man es nicht machen!

Zum Schluss ein zu Tränen rührender Klassiker, voller Fantasie, Liebe, Wärme und Nachdenklichkeit. Er wurde vor einigen Jahren verfilmt. Wir lieben alle diesen Film mit seinem großartigen Soundtrack. Ganz große Empfehlung für die Kiste mit den bewegten Bildern.

Vor mir liegt noch ein großer Stapel großartiger Kinderbücher. Diese Liste ist absolut unvollständig und entspringt lediglich meiner momentanen Auswahlslaune. Oben auf dem Foto könnt Ihr noch einige mehr von meinen liebsten Kinderbüchern entdecken.

Schnappt Euch heute mindestens ein Buch, viele Kuschelkissen, Eure Lieblingsmenschen und taucht ab.



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