Hürden nehmen

Hürden nehmen

Am Wochenende habe ich eine Hürde übersprungen. Ich habe auf einer Bühne, hinter einem Rednerpult gestanden und 350 Menschen ein etwas von mir erzählt und davon, was es Großartiges auslösen kann, wenn man Angst überwindet, Mut fast, konstruktiv Perspektivwechsel wagt, ermutigend miteinander Visionen spinnt und diese zur Grundlage seiner Entscheidungen macht. Darüber spreche ich natürlich immer wieder mit Menschen, aber doch meistens im Vier-Augen-Gespräch oder in kleineren Gruppen.

Meine Hürde

Dies beim Thüringer Landfrauentag als Festrednerin zu tun war schon eine echte Hürde. Inhaltlich war ich klar und sicher. Doch würden meine Worte auch ankommen? Kann ich mich auch Menschen gegenüber verständlich ausdrücken, die mich gar nicht nach meiner Sicht der Dinge gefragt haben? Das bereitete mir schon Kopfzerbrechen. Könnte ich nach so einem versierten Redner wie Bodo Ramelow bestehen? Kurz und gut, es war eine ordentliche Hürde, die es galt zu nehmen.

Anlauf nehmen

Ich habe sie ernst genommen und viel Zeit und Leidenschaft in meinen Vortrag gesteckt und ich habe mich selbst motiviert. Ich habe mir immer wieder gesagt, dass ich das kann, weil ich weiß, wovon ich reden werde. Es sind halt einfach nur ein paar Menschen mehr – und die sind grundsätzlich erstmal gewillt zuzuhören. Das sind doch großartige Voraussetzungen. Ich habe mir mein Lieblingskleid angezogen, mir mein liebstes ätherischen Ölen zur Beruhigung und Motivation aufgetragen und bin relativ gelassen los. Während der Autofahrt habe ich mich auf meine Themen konzentriert, um dann vor Ort auch wieder locker zu lassen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, zuzuhören und so wach und bei der Sache zu sein. Ich habe mich einfach auf meinen Bauch verlassen und es hat sich wieder gezeigt, dass er mich am besten kennt und dir richtigen Signale gibt. Kurzzeitig verfiel ich in den “Schulmodus”: wider jeder Erfahrung, kurz vor der Angst nochmal alles reinquetschen zu wollen. Aber ich habe durchgeatmet und um mich geschaut. Ach nein, ich wollte nicht über meinen Aufzeichnungen sitzen und um mich herum alles ausschalten. Ich hatte doch vor, den Thüringer Landfrauen zu berichten, wie großartig und inspirierend es ist, einander wirklich zuzuhören. Dann habe ich lieber etwas beim Soundcheck geholfen,  nette  Gespräche geführt und einfach freudig das bunte Treiben beobachtet. Keine Spur von großer Aufgeregtheit – vielmehr eine konzentrierte Aufmerksamkeit.

Absprung

Ich habe den Absprung gewagt. Die Zeit verstrich wie im Flug und zack, fand ich mich auf der Bühne wieder. Ihr kennt das sicher – es ist ein tolles Gefühl, wenn man eine Hürde genommen hat. So ging es mir auch. Hätte mich jemand abgehalten und mir gesagt, dass ich das noch nicht kann, üben müsste, zu klein / zu groß wäre und und und – ich hätte vermutlich aufgegeben. Ich habe im Vorfeld nicht vielen Menschen erzählt, dass diese Hürde für mich ansteht. Doch denjenigen, die ich einweihte, haben mich fast alle bestärkt. So etwas gibt Kraft, einen guten Anlauf zu nehmen, sich zu fokussieren, die Hürde anzuvisieren, um sie schlussendlich allein nehmen zu können. Denn Hürden sind immer etwas Individuelles und man muss sie schlussendlich allein nehmen.

Emotionen

Wir können uns unterstützen lassen. Doch die Emotionen dabei sind unsere und mit denen müssen wir klar kommen. Angst oder Mut, Aufregung oder Gelassenheit, Unsicherheit oder Selbstvertrauen. Doch diese Gefühle werden durch unsere Sozialisation, durch unser Umfeld bestimmt. Damit wir Hürden nehmen können, sollten wir einander durch Ermutigung, Ansporn, Respekt und Ehrlichkeit unterstützen. Hürden sind immer wichtig für die persönliche Entwicklung und sie sollten jedem zugestanden werden. Das bedeutet, dass sich jeder seine Hürden auch selbst definiert. Meine Hürde ist nicht die Hürde meiner Freunde. Die Hürden meines Sohnes waren mit sieben Jahre andere als die meiner heute siebenjährigen Tochter. Wir müssen einfach nur das unterstützen, was eben gerade dran ist. Mit Zutrauen und der Bereitschaft ggf. zu sprinten, um das sichernde Netz vorwurfslos aufzuspannen, sind wir tolle Begleiter beim Hürdenlauf unserer Partner, Kinder und Freunde.

Landung

Nach dem Erklimmen der Hürde müssen wir nicht direkt auf den „Boden der Tatsachen“ aufschlagen. Wenn wir die Hürden selbst bestimmt haben, dann sind wir gewappnet, nehmen ordentlich Anlauf und können abspringen. So kommt man weiter. Im Flug ist der Überblick viel besser und man kann auch die Fläche für eine Landung gezielt auswählen.



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